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10.04.2013, 11.18 Uhr (Kirchenkreis Marburg)

Es ist normal, verschieden zu sein - Inklusion in evangelischen Kitas


(Foto: Kinderkrippe)

Inklusion ein Modewort? Was bedeutet Inklusion für die Kindertagesstätten?

Im Artikel 24 der Un Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung ist das Recht formuliert, dass Kindern nicht auf Grund ihrer Behinderung von allgemeinen Bildungssysthem ausgeschlossen werden dürfen. Die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen ist ein Völkerechtsvertrag, mit dem sich die unterzeichneten Vertragsstaaten zur schrittweisen Realisierung der dort genannten Bestimmungen im nationalen Recht verpflichten. In Deutschland ist sie seit März 2009 geltendes Recht auf Bundesebene.

Was ist der Unterschied zwischen Integration und Inklusion? Der Begriff Integration ist ein fester Bestandteil im Sprachgebrauch und Alltag während der Begriff Inklusion erst in jüngster Zeit Einzug in Politik und Bildung findet.

Integration:

  • unterscheidet zwischen Kindern mit Behinderung und Kindern ohne Behinderung.
  • braucht Fachkräfte mit sonderpädagogischen und heilpädagogischen Spezialkenntnissen, die Kinder fördern und behandeln.
  • stellt besondere Ressourcen für Kinder mit Behinderungen bereit.
  • betrachtet Kinder mit Behinderung als Objekte von Hilfe und Förderung.

Inklusion:

  • geht von der Besonderheit und individuellen Bedürfnissen eines jeden Kindes aus.
  • braucht multiprofessionelle Teams, die im gemeinsamen Dialog ihre jeweiligen fachlichen Perspektiven austauschen.
  • stellt Ressourcen für die gesamte Einrichtung bereit.
  • betrachtet alle Kinder als Akteure ihrer Entwicklung und Träger von Rechten.

Wenn Kinder in der Krippe und im Kindergarten Verschiedenartigkeit positiv erleben, und lernen diese für sich und ihre Entwicklung zu nutzen wird diese Erfahrung zu einer wichtigen Ressource.

Wichtig für die Entwicklung der Kinder ist aber nicht nur die Teilhabe, sondern auch die Akzeptanz in der Gruppe. D. h. alle Kinder der Gruppe bringen sich aktiv mit ein, finden ihren Platz und gehören gleichberechtigt dazu.

Inklusion wird in der Evangelischen Kinderkrippe gelebt. Denn selbstverständlich nehmen wir jedes Kind an wie es ist und stellen ihm eine bestmögliche Entwicklungsumgebung bereit.

Ob mit Down-Syndrom, gehörlos, mit eingeschränktem Sehvermögen oder entwicklungsverzögert - jedes Kind ist mittendrin im Gruppengeschehen.

Dazu braucht es ein fachkompetentes Team, die Möglichkeit zu entsprechenden Fortbildungen und fachspezifisch ausgebildete Mitarbeiter. Personal- und Zeitresourcen müssen vorhanden sein um auf den Entwicklungsstand der Kinder einzugehen. Offenheit und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit „neuen Ansprechpartnern“ erweitern den Horizont des Teams.

So kann Inklusion selbstverständlich sein. Die Frage nach „Besonderheit“ stellen schon Kinder im Krippenalter, sie sind aber flexibler und offen im Umgang damit.

Spielpartner werden angenommen, ohne Blick auf den Entwicklungsstand. Es wird ganz selbstverständlich miteinander gelebt und voneinander gelernt.

Die Haltung aller Mitarbeiter der Kinderkrippe, der wertschätzende Umgang miteinander ist dafür die Grundlage. Wir leben und erleben Inklusion täglich und wachsen daran.

Je früher die Kinder mitbekommen, es ist normal verschieden zu sein, desto leichter kann Inklusion gelebt werden.

 

Text: Bettina Steffan / Renate Treder