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Freitag, 10.09.2010

Nachrichten

01.06.2010, 00.00 Uhr (Stadtkirchenkreis)

„Es ist viel mehr als Verwaltung“

Dietmar Dunkel leitet des evangelische Stadtkirchenamt


Dietmar Dunkel beim Aktenstudium an seinem Schreibtisch im Stadtkirchenamt.
(Foto: Karl-Günter Balzer)

Von Karl-Günter Balzer

Vor seinem Fenster ist Bewegung. Auf dem engen Platz am Stadtkirchenamt parken sich die Autofahrer gegenseitig ein, Türen schlagen, mancher Wagen wird mit viel zu hoher Motordrehzahl gewendet, mancher Fahrer meckert lautstark. Ständig gehen Menschen an seinem Fenster vorbei, steigen die steile Treppe hinauf, um die kirchliche Verwaltung oder die Familienbildungsstätte aufzusuchen. Unmittelbar vor seinem Büro ist die Kasse untergebracht. Die Besucher schwätzen lautstark miteinander, das Telefon rappelt. Dietmar Dunkel bleibt erstaunlich ruhig und gelassen. Bewundernswert.

Seit Anfang des Jahres leitet er die Verwaltung des evangelischen Stadtkirchenkreises. Beauftragt von und verantwortlich gegenüber der Synode des Stadtkirchenkreises ist Dunkel Herr über die Zahlen und Finanzen der evangelischen Kirche in Marburg. In seiner Behörde werden Haushaltspläne aufgestellt und verwaltet. Einstellungsgespräche werden geführt, Arbeitsverträge geschlossen und Zeugnisse geschrieben. Die Bauten und Liegenschaften sind zu betreuen. Konzeptionen und Arbeitspapiere werden erarbeitet. Und all das muss verhandelt, besprochen und in Papier verwandelt werden. Dunkel sitzt in zahllosen Gremien, spricht mit Geldgebern aus Kirche und Diakonie, Stadt und Land.

„Oh ja, das hat mich getroffen“ entfährt ihm die spontane Reaktion auf die Frage nach Überstunden. Schnell hat er sich wieder gefangen. Die Arbeitszeit könne er schließlich auch frei wählen, stellt er die Vorteile seines Amtes heraus. Und schließlich sei er ja nicht allein. Viele Verhandlungen werden gemeinsam mit Dekan Burghard zur Nieden, der ja auch sein Vorgesetzter ist, geführt. Und außerdem lobt er die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stadtkirchenamtes für ihre zuverlässige Arbeit.

Vielleicht bringt Dunkel seine Ausgeglichenheit ja aus Frielendorf-Großropperhausen mit. Dort wurde er vor 55 Jahren geboren. Der Vater ging arbeiten, die Mutter war zu Hause. Gemeinsam kümmerten sie sich nach Schule und Feierabend um acht Hektar Land, vier namentlich bekannte Kühe, etliche Schweine und was sonst auf einem Bauernhof kreucht und fleucht. Noch heute wohnt er dort, hat im Dorf gebaut. Den Sitz im Kirchenvorstand hat die Frau übernommen, er selbst ist als Beigeordneter im Gemeindevorstand tätig. Die beiden Töchter sind erwachsen und aus dem Haus. Aber, wenn es spät wird und der Weg nach Frielendorf zu weit erscheint, dann kann er bei Tochter Kathrin in der Marbach übernachten.

Wenn der junge Dietmar Dunkel damals aus dem Fenster des Elternhauses schaute, dann sah er die Kirche. Sie stand direkt neben dem Elternhaus und ihr Glockengeläut ordnete den Tag im Dorf. Die Kirche wurde durch Pfr. Otto Karl Engelbrecht, der ihn konfirmiert hat und der ihn mit 22 Jahren zum jüngsten Kirchenvorsteher im Kirchenkreis Ziegenhain machte, prägend für Dunkel. Noch heute besucht er den 86-jährigen.

Bis Dunkel allerdings den Weg in die kirchliche Verwaltung fand, das sollte noch einige Jahre und Umwege erfordern. Davor standen eine Lehre zum Kfz-Elektriker und ein Studium zum Ingenieur der Elektrotechnik. Bei der Bundeswehr war man trotzdem der Ansicht, dass man ihn lieber in der Verwaltung hätte. Offensichtlich hatte man die Talente Dietmar Dunkels entdeckt, denn so sehr jetzt das Interesse an der Technik zurückging, umso mehr erwachte die Freude am Verwalten. Hatte denn nicht auch seine Mutter schon gesagt, dass er über zwei linke Hände verfüge und deshalb den Rat gegeben: „Junge, mach was anderes“. Das andere war nun also eine neue Ausbildung zum Oberinspektor bei der Truppenverwaltung in Kassel.

Auch bei der Landeskirche erkannte man das Talent Dunkels. 1991 trat er in den kirchlichen Dienst ein, wurde stellvertretender Sachgebietsleiter für die Finanzwirtschaft der Kirchengemeinden, der Gesamtverbände und Kirchenkreise. Seit 2001 war er dann als stellvertretender Sachgebietsleiter der Zentralen Gehaltsabrechnungsstelle im Landeskirchenamt tätig.

Und jetzt ist er in Marburg. „Ich wollte noch einmal etwas Neues wagen“, begründet er diesen Schritt. Die Verantwortung einer Leitungstätigkeit reizte ihn. Dass das alles in Marburg viel weniger Behörde ist als zunächst gedacht, das ist eine positive Überraschung. Er ist erstaunt, wie eng in dieser Stadt Kirche und Menschen zusammengehören und wie familiär es zugeht. Und es freut ihn, dass er von kirchlichen und städtischen Gremien überaus freundlich und erwartungsvoll empfangen worden ist.